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Was bedeutet „New Work“ und wie können Sie Ihr Unternehmen anpassen?

  • 07.10.2020

  • Category: Personalsuche

Die industrielle Revolution hat Arbeitskonzepte auf den Kopf gestellt. Seit einigen Jahren ist eine neue Revolution dabei, genau dasselbe zu tun. Die Digitalisierung. Fast kein Arbeitsprozess entspricht noch demselben von vor zwanzig Jahren. Und gleichzeitig ändern sich Arbeitsprozesse nicht nur einmal, sondern kontinuierlich: die Digitalisierung schafft Wandel statt Stillstand. Diese Veränderung stellt Unternehmen vor große Herausforderungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nicht nur in der Konkurrenz mit anderen Unternehmen, sondern auch in der Personalstruktur.

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Zusammen mit der Digitalisierung – oder auch dadurch bedingt – stellt die Generation Y hohe Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. Ziele und Visionen sind durch immer engere Verknüpfung leichter zu erreichen als noch vor wenigen Jahren. Das führt dazu, dass sich eine Nachwuchsfachkraft nicht mehr mit einem typischen 9-to-5-Job ausgelastet und zufrieden fühlt. Routineaufgaben können durch technische Innovationen erledigt werden, der Arbeitsalltag wird neu organisiert. Neben den Hard Skills treten aus diesem Grund immer mehr Soft Skills in den Vordergrund, die aber eben im Arbeitsalltag auch Auslastung finden müssen.
Wie werden Sie als Unternehmen diesen Ansprüchen gerecht? Diese Aufgabe gewinnt immer mehr an Bedeutung, um zukunftsfähige Personalgewinnung zu betreiben. Ein vielversprechender Ansatz dafür ist das Schlagwort „New Work“, das traditionelle Arbeitskonzepte herausfordert. Hierarchien, Schichtarbeit und starre Arbeitsmodelle werden in Frage gestellt und innovative Konzepte hervorgehoben. Dabei steht vor allem eins im Mittelpunkt: Die Individualität des einzelnen Mitarbeiters.

New Work: Ein neues (altes) Konzept

Das Konzept New Work ist zur Überraschung vieler Führungskräfte bereits vor der Digitalisierung thematisiert worden. Der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann beschäftigte sich in den 1970er Jahren mit der Freiheit des Menschen und stellte die These auf, dass der Mensch durch die Arbeit seiner Freiheit beraubt wird. Im Zusammenhang mit dieser Erkenntnis entwickelte Frithjof Bergmann das Konzept New Work. Ursprünglich basierte es auf drei Säulen: Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Im Kern lautete die Botschaft: Die Mitarbeiter machen, was sie wollen.

Als Führungskraft oder Firmeninhaber klingt dieser Satz auf den ersten Blick genau nach dem, was eigentlich nicht gewünscht ist. Kritiker bemängeln aus diesem Grund, dass Unternehmen heute versuchen, New Work zu integrieren, ohne tatsächlich Prozesse und das System Arbeit in Frage zu stellen. Es werden Obstkörbe angeboten, Firmensport, Stand-Up-Meetings oder andere Organisationsstrukturen, der Kern bleibt allerdings derselbe.
Nach Frithjof Bergmann geht es dagegen nicht darum, Mitarbeiter besser auszustatten. Es geht vielmehr darum, die intrinsische Motivation für die Arbeit zu fördern. So machen Mitarbeiter letztendlich tatsächlich das, was sie wollen. Dieser Fokus wirkt sich positiv auf das Unternehmenswohl, das Wohl der Gemeinschaft und letztlich auch auf das persönliche Wohl aus.

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Konzepte, Ansätze und Werte: Neugestaltung der Arbeitswelt

Das Konzept New Work klingt beim ersten Lesen zunächst abstrakt und unmöglich in der Umsetzung. Nach Frithjof Bergmann geht es aber genau darum: Eine Neugestaltung der Arbeitswelt, keine Reformierung. Handlungsfreiheit, Kreativität und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten sind zentrale Werte des angestrebten Prinzips.

Durch die industrielle Revolution prägen heute starre Organisationsstrukturen die Arbeitswelt. Genaue Arbeitseinteilungen, klare Aufgabenbereiche, feste Zeitstrukturen: Der moderne Arbeitsplatz ist standardisiert. Darauf richten sich nicht nur die Unternehmen selber aus, sondern die gesamte Konsumindustrie. Öffnungszeiten von Ärzten und Supermärkten, Schulen und Urlaubsanbietern: Ein Großteil des Systems richtet sich nach diesen Standardvorgaben.

Im Gegensatz dazu steht das Prinzip New Work. Hier geht es nicht um eine Work-Life-Balance, die die Arbeit und das Leben rigoros voneinander trennt. Im Gegenteil: Die Arbeit soll ein Teil des Lebens sein, die kreativen Mitarbeiter verfügen über eine intrinsische Motivation, die die Grenze zwischen Berufs- und Privatleben aufhebt.

New Work: 5 Punkte, 5 Veränderungen

#1 Individualität der Strategieentwicklung

Was ist das Unternehmensziel? Beim Konzept New Work nach Frithjof Bergmann haben die Mitarbeiter da mehr als nur ein Wörtchen mitzureden. Jeder einzelne Mitarbeiter soll ein Teil der Gesamtstrategie sein. Daraus abgeleitet bestimmt auch jeder selbst seine Leistungsziele und legt entsprechend die eigenen Arbeitszeiten fest.

#2 Wechsel von Führungspersonen

Eine Führungskraft über Jahre? Das ist beim Konzept New Work nicht vorgesehen. Hier werden Führungspersönlichkeiten benötigt, die nicht nur das Fachliche im Auge behalten, sondern auch die Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter. Aus diesem Grund werden sie demokratisch ernannt und auch ausgetauscht.

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#3 Agilität der Strukturen

Gerade bei großen Unternehmen drehen sich die Mühlen sehr langsam, bis neue Regelungen eingeführt werden. Flache Hierarchien und schnelle Entscheidungsprozesse sind nach Frithjof Bergmann entscheidend für den Erfolg von New Work.

#4 Flexibilität des Einzelnen

Eine Aufgabe, ein Schreibtisch, ein Team? Beim Konzept New Work wird das in Frage gestellt. Hier dürfen Mitarbeiter von einem selbstständigen Ort aus arbeiten und entscheiden selber, wann und mit wem sie das tun. Auch Arbeitsplätze und Aufgaben können frei getauscht werden – jeder macht das, was er am besten kann.

#5 Räumlichkeiten

Die Firma ist als einziger Arbeitsort mit Büroräumen im Konzept New Work nicht vorgesehen. Stattdessen arbeiten Mitarbeiter in modernen, hellen Bürokonzepten mit Gleichgesinnten zusammen, die sie sich selbst aussuchen können. Teams arbeiten zusammen, bis ein Projekt beendet ist und suchen sich dann neue Mitstreiter. Dieser Punkt ist auch interessant für die Unternehmensfinanzierung.

 

Praktische Ansätze für Unternehmen: New Work integrieren

Viele der Ansätze des Konzepts New Work sind für Unternehmen auf den ersten Blick schwer greifbar. Die These Frithjof Bergmanns ist allerdings mehr als einen Gedanken wert. Auch wenn sich aufgrund der stark eingeprägten Strukturen kein radikaler Wandel umsetzen lässt, sind trotzdem kleine Schritte Richtung New Work machbar, die einen nachweislich positiven Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter und letztlich auch auf die Arbeitsqualität haben.
Beispiele dafür sind Unternehmen, die ihre Arbeitszeiten verändern. Immer mehr Führungskräfte erkennen die Vorteile einer 4-Tage-Woche und ganze Regierungen, insbesondere in den Ländern Skandinaviens, erläutern die Vorteile der Reduzierung von Arbeitszeit auf 30 Stunden wöchentlich. Es gibt auch Unternehmen, die Mitarbeiter als Mitunternehmer betrachten und am Gewinn beteiligen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Als erster Schritt lohnt es sich, das Konzept New Work näher zu betrachten und gemeinsam im Unternehmen zu entscheiden, was sich davon realisieren lässt.