Handschlag_Praktikant
Wenn man einen Praktikanten einstellt, gibt es einiges zu beachten.

Das müssen Sie beachten, wenn Sie einen Praktikanten einstellen

Kategorie: Personalsuche

Eine Praktikantenstelle bietet für einen Arbeitgeber viele Vorteile. Neben der tatsächlichen Hilfe durch den Praktikanten kommt auch das Ausbildungsverhältnis dem Unternehmen häufig zugute. Schließlich ist es für beide Seiten von Vorteil, voneinander lernen zu können.

Eine Praktikantenstelle ist aber auch ein großer Schritt, der sorgfältig vorbereitet werden muss. Es gibt zwar keine gesetzlichen Regelungen zur Qualifikation eines Betriebes für eine Praktikantenstelle.

Und auch die Unternehmensform spielt keine Rolle, da sowohl große Unternehmen, Freiberufler oder auch kleine Start-Ups Praktikanten einstellen dürfen. Dennoch gibt es einige Regelungen, die der Arbeitgeber beachten und klären muss, bevor er einen Praktikanten einstellen möchte.

Wenn Sie also darüber nachdenken, einen Praktikanten zu beschäftigen, können Ihnen die folgenden Punkte Aufschluss darüber geben, was Sie dabei beachten müssen.

Pflichtpraktikum oder freiwilliges Praktikum? Ein großer Unterschied.

Die erste Entscheidung, die intern im Unternehmen getroffen werden muss, ist die Wahl zugunsten einer bestimmten Praktikumsform. 

Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten, die das Praktikum sowohl für den Praktikanten als auch für den Arbeitgeber stark in den Rahmenbedingungen beeinflussen:

1. Das Pflichtpraktikum

Diese Form des Praktikums betrifft meistens Studenten oder Schüler. Im Rahmen des Studiums gehört das Pflichtpraktikum mit einer vorgeschriebenen Dauer zu der Ausbildung. In diesem Fall bleibt die Universität oder Schule Hauptarbeitgeber des Praktikanten. Dadurch hat der Praktikant bei einem Pflichtpraktikum während des Studiums weder Anspruch auf Urlaub, noch Entgelt. Die meisten Arbeitgeber geben im Rahmen eines Pflichtpraktikums für den Praktikanten ein Zeugnis aus. Ein Anspruch auf ein bewertetes Praktikumszeugnis besteht jedoch für einen Praktikanten nicht.

2. Das freiwillige Praktikum

Bei einem freiwilligen Praktikum übernimmt der Arbeitgeber die Rolle des Hauptarbeitgebers. Das Unternehmen unterliegt in diesem Fall dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), was bedeutet, dass der Praktikant Anspruch auf Urlaub, Vergütung und ein Zeugnis hat. Außerdem kann das Ausbildungsverhältnis im Rahmen eines Praktikums seitens des Praktikanten mit einer Frist von vier Wochen jederzeit gekündigt werden.

Der Praktikumsvertrag. Sicherheit für beide Seiten.

Sobald die Entscheidung zugunsten einer der beiden Praktikumsformen gefallen ist, sollte ein Arbeitsvertrag entwickelt werden, der Rechte und Pflichten beider Seiten definiert. Zwar besteht hierfür keine rechtliche Verpflichtung. Trotzdem ist ein Arbeitsvertrag ein wichtiges Dokument, das Uneinigkeiten vorbeugt.

Besonders folgende Punkte sind dabei besonders zu beachten:

  • Dauer des Praktikums
  • Wöchentliche Arbeitszeit
  • Arbeitszeiten
  • Vergütung
  • Urlaubstage
  • Regelungen im Krankheitsfall
  • Aufgabengebiete
  • Verschwiegenheitsklausel über firmeneigene Interna

Rechtliche Voraussetzungen für die Einstellung eines Praktikanten

Besonders bei Überlegungen zur Schaffung von langfristigen Praktikumsstellen kann es Sinn machen, eine Zusammenarbeit mit einem Steuerberater zu erwägen.

Sobald Arbeitgeber Praktikanten beschäftigen, unterliegen deren Beiträge zum Erfolg des Unternehmens bestimmten Regelungen und Pflichten. Diese gilt es im Vorfeld abzuklären.

Auch im Hinblick auf die Verschwiegenheitsklausel lohnt ein Gespräch mit dem Steuerberater, um geltende Datenschutzgesetze zu beachten.

Krankheit oder Unfall. Wer zahlt?

Das Versicherungsverhältnis hängt von der Form des Praktikums ab. Bei einem freiwilligen Praktikum hat der Arbeitgeber die Versicherungsbeiträge zu entrichten, da er als Hauptarbeitgeber gilt. Praktikanten dagegen, die studieren und ein Pflichtpraktikum absolvieren, sind über die Universität versichert. Bzw. über die staatliche Krankenversicherung, die als Student abgeschlossen werden muss.

Kein Anspruch aber Bonus: die Entscheidung des Unternehmens für Pflichtpraktikanten 

Unternehmen, die sich entschlossen haben, Pflichtpraktikanten zu beschäftigen, müssen rechtlich gesehen weder Urlaub noch Entgelt gewähren. Für viele Studierende stellt diese Regelung ein großes Problem dar. Nicht selten wird nämlich für ein Praktikum der Wohnort gewechselt, oder sogar ein ganzes Semester eingeplant, was finanziell eine enorme Belastung darstellt. 

Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Unternehmen dazu, auch Pflichtpraktikanten zu entlohnen um weiterhin motivierte Nachwuchsfachkräfte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Auch ein Praktikum nach dem Studium kann sinnvoll sein, warum erklären wir hier.

Folgende Entscheidungen können dabei für die zwei größten formalen Punkte getroffen werden:

  • Entlohnung

Statt des Mindestlohnes entscheiden sich viele Unternehmen für eine Aufwandsentschädigung als Beiträge zu den Kosten für den Praktikanten. Diese liegt üblicherweise bei 450 Euro monatlich, variiert aber je nach Dauer und Umfang des Praktikums.

Da gerade der Lohn ein wichtiger Faktor für Bewerber ist, lohnt es sich für das Unternehmen in diesem Punkt weise zu entscheiden. Qualifizierte Fachkräfte wissen auch bereits im Studium, was sie wert sind. Und was nicht.

  • Urlaub

Auch Urlaub ist bei einem Pflichtpraktikum gesetzlich nicht vorgeschrieben. Allerdings ist es bei einer langen Dauer des Praktikums eine gute Entscheidung, Urlaub zu ermöglichen. 2 Tage pro Monat sind dabei der gängige Richtwert.


Wenn es losgeht: Aufgaben und Umgang mit den Praktikanten

Das Bild eines Praktikanten hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Haben früher die Praktikanten lediglich Beiträge zum Kaffeekonsum der Mitarbeiter geleistet, gelten sie heute nicht selten als vollwertige Mitarbeiter im Unternehmen. Natürlich können einem Praktikanten nicht direkt die verantwortungsvollsten Aufgaben anvertraut werden, dennoch sollten auch sie sich mit anspruchsvollen Aufgaben beschäftigen.

Folgende Do‘s und Don‘ts geben einen kleinen Überblick zum Umgang mit Praktikanten:

Do's Don'ts

Betreuung eigener Projekte während des Praktikums

Praktikanten als günstige Hilfskräfte einstellen

Klare Zieldefinition des Praktikums

Reduzierung der Beiträge des Praktikanten auf reines Zusehen

Abgleich der Erwartungen durch Feedbackgespräche

Eintönige und gleichförmige Aufgaben

Komplexe und anspruchsvolle Aufgaben

Mangelndes Interesse am Erfolg des Praktikanten während des Praktikums

Einbindung des Praktikanten in Teamaktivitäten

Keine oder wenig Arbeit

Schnell wird deutlich: Praktikanten wollen gefordert und gefördert werden. Genau wie reguläre Mitarbeiter. Das Praktikum sollte idealerweise eine Hilfe beim Karriereeinstieg sein. Um das zu gewährleisten, ist eine intensive Vorbereitung der Praktikumsstelle erforderlich.

Nach dem Praktikum: das Praktikumszeugnis

Häufig vertraglich vereinbart, stellt das Praktikumszeugnis für den Praktikanten einen wichtigen Meilenstein dar. Mit diesem Dokument kann er nicht nur die Angaben im Lebenslauf belegen. Sondern auch beim Berufseinstieg durch praktische Erfahrung glänzen. Außerdem gibt das Zeugnis im besten Fall Aufschluss über die persönliche Eignung eines Bewerbers, etwas, das beim Berufseinstieg von entscheidender Bedeutung ist. 

Verständlicherweise ist das Praktikumszeugnis nach erfolgreichem Abschluss des Praktikums also eine Pflicht für jeden Arbeitgeber, um zufriedene Praktikanten gehen zu lassen. Oder im besten Fall zu übernehmen.

Folgende Punkte gehören daher in jedes gute Arbeitszeugnis:

✔ Eine kurze Beschreibung des Unternehmens. Bei Bewerbungen wird dadurch eine problemlose, fachliche Einordnung der praktischen Erfahrung gewährleistet.
   Nennen des Tätigkeitsbereiches und der Hauptaufgabe.
✔ Eine konkrete Tätigkeitsbeschreibung durch Nennen der verschiedenen Aufgaben.
✔ Einordnung der fachlichen Kompetenzen. Ist der Praktikant für diesen Fachbereich geeignet?
✔ Einordnung der sozialen Kompetenzen. Ist der Praktikant teamfähig, stressresistent, kommunikativ etc.?
✔ Erfolge während des Praktikums
✔ Wünsche und Anregungen für die Zukunft

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