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Fangfragen im Vorstellungsgespräch: Darauf solltest du vorbereitet sein

  • 14.10.2020

  • Category: Bewerbung

Das Vorstellungsgespräch ist keine einfache Situation. Im Gegenteil. Du betrittst zum ersten Mal das Unternehmen deiner Träume, bist bis zu den Fußsohlen gestriegelt und hast alle Argumente, die für deine Einstellung sprechen, brav auswendig gelernt. Die Selbstpräsentation sitzt, die Siegerpose wurde auf der Toilette geübt und der Lebenslauf ist ebenfalls frisch frisiert. Was sollte da noch schief gehen? Wie wäre es mit Fangfragen. Diese kleinen fiesen Viecher haben die Eigenschaft, selbst den selbstbewusstesten Bewerber im Vorstellungsgespräch auf Sitzgröße schrumpfen zu lassen.

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Bei Fangfragen geht es aber eigentlich gar nicht darum, unschuldige Bewerber zu ärgern. Es geht vielmehr darum, einmal hinter die perfekte Fassade, hinter auswendig gelernte Antworten und hinter hohle Phrasen zu schauen. Spätestens nach den ersten drei Arbeitstagen ist es nämlich aus mit der Selbstbeherrschung. Genau das wollen Personaler aber bereits im Vorstellungsgespräch testen. Wie reagierst du, wenn du aus der Fassung gebracht wirst? Aus diesem Grund ist es auch fast unmöglich, das Antworten auf Fangfragen zu üben. Es geht vielmehr darum, die Einstellung zu den Fragen zu verändern. Hier findest du beides, damit du im nächsten Vorstellungsgespräch genauso geschickt zurückfeuern kannst.

 

Fangfragen im Vorstellungsgespräch: 5 Tipps für deine Antworten

Besser, als Antworten auf Fangfragen für das Bewerbungsgespräch auswendig zu lernen, ist die Beschäftigung mit der Gesprächsführung. Mit einer bestimmten Einstellung bist du nämlich in der Lage, auch schwierige Fangfragen zu meistern, selbst wenn du nicht die perfekte Antwort weißt. Die folgenden Tipps helfen dir bei der Vorbereitung des Bewerbungsgespräches:

  1. Lass dir Zeit! Mach dir keinen Druck, direkt die perfekte Antwort parat haben zu müssen. Du kannst auch offen deine Überlegungen teilen und so zusammen mit deinem Gegenüber zu einer guten Antwort kommen.
  2. Antworte ehrlich. Bei Fangfragen geht es darum, deine authentische Einstellung in Erfahrung zu bringen. Erfahrene HR-Fachleute merken, wenn du etwas sagst, nur um zu beeindrucken. Besser ist eine eigene Meinung mit einer soliden Argumentation.
  3. Knappe Antworten. Bei Fangfragen geht es meistens um heikle Themen. Lange Antworten bergen das Risiko, dass du dich noch irgendwie verplapperst. Weniger Worte sind hier mehr wert.
  4. Spontanität. Im Motivationsschreiben hast du alles sorgfältig ausformuliert, diese Sätze auswendig zu lernen und abzuspulen, ist keine gute Idee. Neue Ansätze und überraschende Aussagen sind das, was bei Personaler*innen im Kopf bleibt.
  5. Nachfragen. Wenn du eine Frage im Vorstellungsgespräch nicht richtig verstanden hast, solltest du jederzeit nachfragen können. Gerade bei Fangfragen ist das eine geschickte Strategie, um Zeit zu gewinnen.
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Die Top 10 Fangfragen im Vorstellungsgespräch

#1 Wie würden Sie sich selbst mit drei Wörtern beschreiben?

Bewerbungsfragen dieser Art sind nicht selten und trotzdem nicht gerade intelligent. Mindestens 20 Jahre Leben in drei Worte zu quetschen, geht immer schief. Trotzdem verrät es einiges über deine Einstellung. Spoiler: Intelligent, selbstbewusst und erfolgreich ist nicht die beste Antwort.

#2 Welche negativen Gründe haben zu dem Jobwechsel geführt?

Hier lauert sie, die fiese Falle. Es ist so einfach, endlich mal die Wahrheit über den Chef oder den ewigen Nörgler als Kollegen zu erzählen. Oder die miese Kantine. Oder das Gehalt. Keine gute Idee. Immer schön positiv bleiben. Negative Gründe? Völlig unbekannt.

#3 Sind Sie eher der Anführer oder der Ausführer?

Wieder eine Fangfrage im Bewerbungsgespräch, die ehrlich beantwortet werden will. Hier lohnt sich die Vorbereitung, denn eine kritische Selbstreflektion hilft beim Jobwechsel. Gerade bei innerbetrieblichen Bewerbungen muss eine realistische Selbsteinschätzung her.

#4 Gibt es bestimmte Leistungen, auf die Sie besonders stolz sind?

Natürlich gibt es die! Hier ist Bescheidenheit fehl am Platz. Deine Antwort erzielt allerdings nur die gewünschte Wirkung, wenn du Erfolge nicht mechanisch aufzählst, sondern auch Details und Meilensteine erwähnst. Der wichtigste Tipp dabei: Vergiss dein Team nicht. Innerbetriebliche Bewerbungen, die auf Erfolge ohne das Team bauen, programmieren Ärger vor.

#5 Wie geht es Ihnen heute?

Diese kleine Frage ist fies im Vorstellungsgespräch. Kannst du kurz aus deiner Selbstpräsentation aussteigen und eine authentische, ehrliche Antwort geben? Natürlich musst du professionell bleiben, aber hier geht es ganz kurz einmal nicht um das Vorstellungsgespräch. Kleiner Tipp: Solche Bewerbungsfragen lassen sich nicht vorbereiten!

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#6 Haben Sie schon einmal an eine Selbstständigkeit gedacht?

Personaler*innen sind nicht daran interessiert, deine Stelle nach zwei Jahren neu zu besetzen. Gerade innerbetriebliche Veränderungen werden langfristig angestrebt. Du darfst im Bewerbungsgespräch zwar auch Ziele und Träume anvisieren, solltest aber generell deine Zukunft im Unternehmen sehen.

#7 Was können Ihre neuen Kollegen von Ihnen lernen?

Der eher bescheidene Kandidat möchte natürlich eher von den Kollegen lernen als andersherum. Allerdings geht es im Vorstellungsgespräch auch um deinen Mehrwert als neuer Mitarbeiter. Bei der Selbstpräsentation darfst du also auch ruhig auf deine Qualitäten zu sprechen kommen. Allerdings ist ein „voneinander lernen“ auf Bewerbungsfragen dieser Art die beste Antwort.

#8 Erzählen Sie mir etwas, das nicht in Ihrem Motivationsschreiben steht

Diese Aufforderung klingt fast schon aggressiv. Außerdem hast du dein Motivationsschreiben doch schon an allen Ecken und Enden frisiert. Was bringen da jetzt neue Einsichten? Hier hilft nur die gründliche Vorbereitung. Leg dir ein paar Stichpunkte zurecht, mit denen dein Gegenüber nicht gerechnet hat.

#9 Was würden Sie tun, wenn Sie morgen im Lotto gewinnen würden?

Hätte ich gestern im Lotto gewonnen, würde ich heute trotzdem hier sitzen, ist die einzig richtige Antwort auf diese Frage. Schließlich geht es uns allen doch um unsere Werte und Ziele oder etwa nicht? Na klar. Bleib einfach ehrlich hier. Wenn dein Gegenüber das nicht versteht, sollte er sich selbst einen neuen Job suchen.

#10 Wer war der beste Chef, den Sie je hatten?

Kleiner Tipp: „Ich kenne keine guten Chefs“, ist nicht die beste Antwort. Hier geht’s darum, dein Gegenüber wissen zu lassen, unter welchen Arbeitsbedingungen du die beste Leistung lieferst. Eine ehrliche Antwort ist wichtig. Nur so kann letztlich abgeklärt werden, ob du hier auch glücklich wirst.